Vom mittelalterlichen Stadttor zum Bürgerprojekt
Das Mühlentor prägt seit 2013 wieder die Mühlenstraße. Viele Bernauerinnen und Bernauer nehmen es heute als selbstverständlich wahr – hier aber befand sich hier über Jahrzehnte nur eine Lücke in der Stadtmauer.
Um den Wiederaufbau zu ermöglichen, haben engagierte Bürgerinnen und Bürger Geld gesammelt, den Bau geplant und ihn bis zur Fertigstellung begleitet. Der eigens gegründete Verein kümmert sich bis heute um das Tor und erzählt seine Geschichte weiter.
Diese Seite dokumentiert den Weg des Mühlentors: vom historischen Stadttor über den Abbruch im 19. Jahrhundert bis zum Wiederaufbau 2012 bis 2013 und die Arbeit des Vereins heute.
| STANDORT | Mühlenstraße, Bernau bei Berlin |
|---|---|
| ABBRUCH | Historisches Tor 1885 entfernt |
| VEREINSGRÜNDUNG | Mai 2006 |
| WIEDERAUFBAU | Baubeginn 27. August 2012 |
| GRUNDSTEINLEGUNG | 13. September 2012 |
| EINWEIHUNG | 30. Mai 2013 |
Vom Stadttor zur Lücke und zurück
Über Jahrhunderte sicherte das Mühlentor den Zugang zur Stadt. Nach seinem Abbruch blieb eine Lücke in der Stadtmauer und im Bewusstsein vieler Bernauerinnen und Bernauer. Erst ein Bürgerprojekt brachte das Tor an seinen Platz zurück.
Der Vorgängerbau des heutigen Mühlentores stand jahrhundertelang an der Mühlenstraße und war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Nach der Chronik von August Wernicke bestand die Anlage noch bis 1824 aus mehreren Toren, dem Torschreiberhaus und einem Wachtlokal, verbunden durch Mauern.
Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Stadt. Die äußeren Teile der Toranlage wurden abgetragen, die Steine unter anderem für Küster- und Schulhaus wiederverwendet. 1885 wurde schließlich auch das Mühlentor selbst abgebrochen – sein baulicher Zustand war schlecht, die Durchfahrt für die Heufuhren der Bauern zu eng.
Mit dem Abriss verschwand nicht nur das Bauwerk, sondern auch ein prägender Bestandteil der Stadtansicht. Jahrzehntelang blieb an dieser Stelle eine sichtbare Lücke in der historischen Mauer.
Erst im Jahr 2006 fand sich eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger zusammen. Sie gründeten den „Verein zur Förderung des Wiederaufbaues des Mühlentors in Bernau bei Berlin e.V.". Von nun an bündelte der Verein bürgerschaftliches Engagement, Spenden und fachliche Planung für den Wiederaufbau.
Über das Förderprogramm POMERANIA entstand eine deutsch-polnische Kooperation mit der Stadt Stargard. Für den Wiederaufbau des Mühlentores in Bernau und die Sanierung des Walltores in Stargard wurden EU-Mittel bewilligt. Am 27. August 2012 begannen die Bauarbeiten. Die Baustelle wurde eingerichtet und die Fundamentplatte auf den Resten der alten Feldsteinfundamente aufgebaut.
Gemeinsam mit den polnischen Partnern und Bürgern wurde am 13. September die Grundsteinlegung gefeiert. Die äußere Hülle aus Backsteinen orientiert sich auf der Stadt- und Landseite am historischen Vorbild, die seitlichen Flächen sind bewusst modern gestaltet – ein erkennbares Bauwerk unserer Zeit. Das Tor ist auch etwas größer als das ursprüngliche Tor, um die Durchfahrt für LKW und Feuerwehr zu ermöglichen.
Nach nur neun Monaten Bauzeit wurde das Mühlentor am 30. Mai 2013 feierlich übergeben. Seitdem markiert es wieder den Eingang zur Altstadt und erinnert daran, was engagierte Bürgerschaft gemeinsam erreichen kann.
Der Weg zurück ins Stadtbild
Die folgenden Meilensteine zeigen Schritt für Schritt, wie aus der Lücke in der Stadtmauer wieder ein Tor wurde – vom ersten Spatenstich bis zur Einweihung im Mai 2013.
Lücke in der Stadtmauer
An der Mühlenstraße bleibt nach dem Abbruch des alten Tores über mehr als 120 Jahre eine sichtbare Öffnung in der historischen Stadtbefestigung. Hier soll irgendwann wieder ein Tor stehen.
Gründung des Fördervereins
23 Bürgerinnen und Bürger schließen sich zum Förderverein zusammen. Von nun an bündelt der Verein Engagement, Spenden und fachliche Planung für den Wiederaufbau des Mühlentores.
Altes Fundament wird sichtbar
Die Feldsteine der früheren Toranlage werden freigelegt und dokumentiert. Bevor die neue Bodenplatte entsteht, wird die obere Schicht behutsam ausgebaut und dokumentiert.
Gründung und Bodenplatte
Eine neue Bodenplatte und Anschlüsse für die Stahlbetonwände bilden die statische Basis des Neubaus. Das zukünftige Tor nimmt erstmals Gestalt an.
Grundsteinlegung mit Stargard
Bei der Grundsteinlegung feiern Vertreterinnen und Vertreter aus Bernau und Stargard den offiziellen Start des EU-geförderten Projektes. Der Wiederaufbau wird sichtbar.
Innerer Betonkern
Ein innerer Stahlbetonkern wächst in die Höhe, der spätere Torbogen ist bereits deutlich erkennbar. Außen folgt das Mauerwerk nach historischem Vorbild.
Dach und Ausbau
Zimmerer und Dachdecker setzen die Dachkonstruktion. Gerüste umgeben das Bauwerk, das Mühlentor erhält seine endgültige Silhouette.
Pflasterung und Umfeld
Die Durchfahrt und der Bereich um das Tor werden gepflastert und städtebaulich gestaltet. Das Tor fügt sich in den heutigen Straßenraum ein.
Einweihung des neuen Mühlentors
Nach nur neun Monaten Bauzeit wird das neue Mühlentor feierlich übergeben. Stadt- und Landseite orientieren sich am historischen Erscheinungsbild.
Mühlentor im Stadtalltag
Ob im Sommer oder Winter – das Mühlentor ist heute wieder fester Bestandteil des Stadtbildes und ein beliebtes Motiv für Gäste und Einheimische.
Wie Sie das Projekt unterstützen können
Der Wiederaufbau ist abgeschlossen, die Arbeit des Vereins geht weiter. Mit nummerierten Mühlentor-Ziegeln und dem Begleitbuch unterstützen Sie die laufende Betreuung des Tores und die Vermittlung seiner Geschichte.
Nummerierte Mühlentor-Ziegel
Für die Eigenmittel des Wiederaufbaus ließ der Verein 1.000 nummerierte Ziegel von Hand fertigen, die im Tor verbaut wurden. Einige dieser Steine können noch nachträglich erworben werden.
Zu jedem Ziegel gehören ein Spenderbrief und eine Spendenbescheinigung. Der Stein selbst ist im Bauwerk sichtbar als dauerhaftes Zeichen der Unterstützung. Wenn Sie sich für einen Ziegel interessieren, können Sie über das Kontaktformular unverbindlich anfragen.
Unverbindlich anfragen
Buch zur Geschichte und zum Wiederaufbau
Ein ausführliches Begleitbuch erzählt die Geschichte des Tores von der mittelalterlichen Anlage über den Abbruch bis zur Planung und Umsetzung des Neubaus.
Das Buch ist unter anderem in der Bernauer Buchhandlung „Schatzinsel", in der Touristeninformation und direkt beim Verein erhältlich.
Die Erlöse unterstützen die laufende Vereinsarbeit und die Betreuung des Mühlentores.
Schreiben Sie uns
Sie haben Fragen zum Mühlentor, interessieren sich für einen Spendenziegel, das Begleitbuch oder möchten bei Veranstaltungen unterstützen? Der Verein meldet sich persönlich bei Ihnen.